Studie: Polizeikräfte müssen stärker für Antisemitismusbekämpfung sensibilisiert und professionalisiert werden

Pressemitteilung des Forschungsverbundes EMPATHIA³

Erstmals wurde wissenschaftlich ermittelt, was Polizeikräfte über Antisemitismus und jüdisches Leben wissen. Durch Interviews mit Polizistinnen und Polizisten aus NRW wurde auch deutlich, was sie in ihrem Beruf wissen müssen, um Jüdinnen und Juden adäquat vor antisemitischer Agitation und Gewalt zu schützen.

Studie: Große Wissenslücken bei der NRW-Polizei, Kölner Stadtanzeiger 19.06.2024

Welche Bedeutung hat die Polizei beim Schutz jüdischen Lebens und der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit? Die Studie „Wahrnehmungen von Antisemitismus und jüdischem Leben bei der Polizei. Eine Interviewstudie bei der Landespolizei Nordrhein-Westfalen“ wirft ein Licht auf diese aktuelle Frage. Angesichts der zunehmenden Normalisierung und Radikalisierung des Antisemitismus ist eine Sensibilisierung und Professionalisierung der Polizeikräfte für diesen Bereich wichtiger denn je. Polizeikräfte müssen in der Lage sein, potentiell antisemitische Tatmotivationen zu erkennen und früh Gefahren für Betroffene von antisemitischer Agitation und Gewalt zu identifizieren.

In der von Dr. Marc Grimm (Universität Bielefeld), Dr. Sarah Jadwiga Jahn (Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen), Jana-Andrea Frommer (Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen) und Jakob Baier (Universität Bielefeld) durchgeführten Studie wurden 39 Polizisten und Polizistinnen aus verschiedenen Dienstbereichen von zehn Kreispolizeibehörden in Nordrhein-Westfalen befragt. Die Studie liefert Einblicke in polizeiliche Perspektiven, Erfahrungen und Einschätzungen zu den Themen Antisemitismus und jüdisches Leben. Zudem werden Wissens- und Kompetenzbedarfe von Polizeikräften untersucht.  

Dazu der Sozialwissenschaftler Dr. Marc Grimm: 

„Unsere Studie ermittelt Wissenslücken über jüdisches Leben sowie über gegenwärtige Erscheinungsformen des Antisemitismus bei Polizeikräften. Von diesem Stand ausgehend können wir auf die Polizei zugeschnittene Bildungsangebote entwickeln. So stärken wir die Polizei zielgenau beim Erkennen von und Agieren gegen Antisemitismus.“

Die Ergebnisse der Studie bilden eine Grundlage für die weitere Professionalisierung der Polizei im Umgang mit Antisemitismus und im Schutz von Jüdinnen und Juden – Aufgaben, die zentral für die Wahrung eines freien und demokratischen gesellschaftlichen Zusammenlebens sind.

Die Studie ist Teil des Verbundforschungsprojekts EMPATHIA³ EMpowering Police officers And TeacHers In Arguing Against Antisemitism, das im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung aufgelegten Förderlinie „Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus“ gefördert wird.

Unter folgendem Link kann die Studie heruntergeladen werden: https://doi.org/10.46586/E3.300

Pressekontakt

Dr. Marc Grimm (hier klicken) & Dr. Sarah Jadwiga Jahn (hier klicken)

Verbundforschungsprojekt EMPATHIA³

Website: empathia3.de

Transparenzvermerk: Das Tikvah Institut ist am Verbundforschungsprojekt EMPATHIA³ beteiligt.